Vierte Station: Die Normandie I (Port-en-Bessin-Huppain)
Die Normandie – endlich (06.08.2017)! Dies ist eine unserer wichtigsten Stationen, d.h. wir wollen hier mehrere Tage bleiben und haben einige Punkte auf der imaginären Liste, die wir uns gerne anschauen möchten. Dazu zählen u.a. Bunker. Aber dazu später mehr.
Die Fahrt hierher war eine der längsten Strecken bisher, aber ich denke es wird sich lohnen. Trotz der über vierstündigen Fahrt haben Jakob und Annika super mitgespielt, so dass wir entspannt fahren konnten.
Wie üblich, haben wir auch hier keinen Campingplatz reserviert, denn für uns ist wahres Campen jederzeit die Möglichkeit zu haben abzufahren und anzukommen wann wir möchten. Dies unterstreicht unser Freiheitsgefühl ungemein. Leider haben das die über hundert Camper auf dem per Internet ausgesuchten Platz wohl anders gesehen, so dass wir bei unserer Ankunft einen überfüllten, und vor allem per Reservierungen für die nächsten Tage ausgebuchten, Campingplatz vorfanden. Zu allem Übel war es einer dieser Wir-sind-super-familienfreundlich-Ferienpark-Plätze mit zwei Pools, drei Rutschen und Hüpfburg. Von der Animation schreib ich lieber gar nicht erst. Wir hatten die Möglichkeit eine Nacht auf einem Stellplatz zu bleiben und für drei weitere Nächte auf einen anderen Stellplatz umzuziehen. An sich ok, aber wir wollten gerne länger bleiben und als ich den Preis hörte, kippte ich sowieso fast aus den Latschen: 54,80 EUR für einen simplen Stellplatz??? Wir dachten schon letztes Jahr am Comer See mit 40 EUR den Highscore geknackt zu haben, aber das übertraf bei weitem alles.
Da es schon spät war und das Internet zu langsam um noch einen Ausweichplatz zu suchen, entschieden wir uns für eine Nacht dort zu bleiben. An sich eine wirklich gute Entscheidung, denn dadurch verbrachten wir einen wunderschönen Abend bei perfektem Sonnenuntergang im Dorf Port-en-Bessin-Huppain und fanden auch unseren neuen Campingplatz. Für mich war es wichtig gleich erstmal zum Strand zu gehen und vielleicht auch schon ein paar der alten Bunker aus dem 2. Weltkrieg zu sehen. Was die Bunker angeht, kann man diese eigentlich nicht verfehlen, denn sie sind wirklich überall, abwechselnd mit alten Flag-Stellungen und Gedenktafeln. So hat uns der erste Spaziergang an einem der Landungsstrände emotional sehr mitgenommen und wir haben, auch mit Annika (in harmloserer Form) viel über die Geschehnisse an diesem Ort gesprochen. Es ist wirklich bedrückend und für uns heute unbegreiflich was hier passiert ist und was für ein Höllenlärm und Höllenfeuer hier stattgefunden hat.
Wir gingen an den Hafen und auf der anderen Seite den Klippenweg wieder nach oben, immer vorbei an alten Bunkern, überwucherten Schützengräben und Stellungen. Die Sonne ging unter und tauchte alles in ein warmes Licht, so dass meine Kamera und ich mal wieder zu Höchstformen aufliefen und viele sehr stimmungsvolle Fotos entstanden.
Da es immer später wurde, wir noch nichts gegessen hatten und auch die Kinder müde wurden, kehrten wir auf dem Klippenweg um, gingen zurück ins Dorf und genehmigten uns an einer Bude leckere Chichis. Was das ist? Das sind leckere Teigwürste, heiß frittiert und in Zucker gewälzt. Dazu gab es lecker Nutella als Dip und für mich noch ein Crêpe mit Schokolade. Also alles in allem ein ausgewogenes und vitaminreiches Abendessen. ;-)
Als die Kinder zu später Stunde schliefen, durchforsteten wir noch das Internet nach einer nahegelegenen Campingalternative und fanden den Platz, den Matthias schon von den Klippen aus erspäht hatte. Ein einfacher Platz mit zwei, anstatt vier, Sternen. Direkt im Dorf, aber dennoch ruhig gelegen. Ich freute mich schon auf den Anruf am nächsten Morgen – natürlich auf Französisch.
Montag, 07.08.2017
Nach unserem nun typischen Baguette-Frühstück rief ich beim Campingplatz an und siehe da – nicht ausgebucht und null Vorreservierungen. Wir packten schnell zusammen und der Platzwart zeigte uns einen super riesigen Stellplatz, alles rundherum sieht prima aus, zwar in die Jahre gekommen, aber was soll´s. Wir kommen ja sowieso nur zum Schlafen auf den Platz, da brauchen wir keine Annehmlichkeiten, außer Ruhe bei Nacht. Und für 25 EUR in der Hauptsaison kann man echt nicht meckern. Wer braucht schon Aqua-Fitness und eine Pizzabäckerei auf dem Campingplatz?!
Da uns der Klippenweg so gut gefiel (wir liiiiieeeben Klippenwege, oder schmale Pfade im Allgemeinen) zog es uns wieder auf die Klippen um herauszufinden wo der Weg denn hinführte. Wir waren immer noch geschockt vom Kriegsszenario in unseren Köpfen, befeuert durch die mit Brombeersträuchern überwucherten Geschützstellungen. Der Weg war spannend und bald entdeckten wir weit hinten, vor weiteren Klippen, viele rechteckige Steine im Wasser... Was ist das? Noch mehr Bunker? Von den Klippen gestürzt? Unsere Neugierde lässt uns immer weiter laufen. Leider ist es zu weit für heute, der Weg nimmt kein Ende und es war wohl doch etwas zu optimistisch gedacht dort hinzulaufen. Immerhin haben wir ja jemanden mit kurzen Beinchen dabei. Also machen wir Rast an einer Stelle wo viele Gleitschirmflieger von den Klippen schweben.
Auf dem Rückweg wird die leere Brotdose mit allerlei Brombeeren gefüllt, denn die Sträucher quellen förmlich vor Beeren über und wir lieben die gesunde Frucht zusammen mit Naturjoghurt und Honig. Also wird kräftig gepflückt bis die Dose voll ist.
Unabhängig voneinander hatten Matthias und ich aber noch einen anderen Gedanken... angefeuert durch das Bitten von Annika doch noch in den Pool springen zu wollen, obwohl wir ja nun auf einem Campingplatz ohne Pool sind. Durch die späte Ankunft und das frühe Aufstehen konnten wir die vielen Annehmlichkeiten des Luxusplatzes ja gar nicht nutzen... Das ist doch schade, zumal wir ja dafür mit bezahlt haben... Könnte man dann nicht... Wie wäre es einfach durchs Tor zu laufen, die Badesachen im Gepäck, und rotzfrech in den Pool zu springen? Annika ist begeistert! In doppelter Geschwindigkeit legen wir den Rückweg zurück, ziehen uns um und schwupps, sitzen wir im Auto gen 4-Sterne-Platz. Da wir vorher nicht aufgefallen sind, fallen wir nun erst recht nicht auf. Annika freut sich sehr und rutscht mit Papa die Rutschen herunter. Das Wasser ist kühl, aber schön erfrischend nach der langen Klippenwanderung. Das war definitiv eine gute Entscheidung!!!


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